Detail-Ansicht

03.09.2018 - 20:00 Uhr

133. Konzert im Grundtvighaus

In diesem Konzert führt für uns ein klassisches Klavier Trio in die Romantik, von Johannes Brahms und Franz Schubert


Montag, 3. September 2018
Beginn 20:00 • Einlass 19:00
Grundtvighaus Sassnitz, Seestr. 3
Eintritt: € 12,- EUR, junge Leute <= 18 Jahre - für umsonst.


Bestzung:
Birte Päplow – Violine
Susanne Gutfleisch – Violoncello
Nikolai Krügek – Klavier

Programm:

Johannes Brahms -Klaviertrio H-Dur, opus
1. Allegro con brio
2. Scherzo. Allegro molto ? Trio. Meno allegro
3. Adagio
4. Finale. Allegro

Franz Schuber - Klaviertrio B-Dur,  D898 op.99
1. Allegro moderato
2. Andante un poco mosso
3. Scherzo. Allegro – Trio
4. Rondo. Allegro vivace


Das H-Dur-Trio, op. 8, von Johannes Brahms ist zugleich das früheste und späteste Klaviertrio des Komponisten. Es liegt in zwei völlig verschiedenen Fassungen aus den Jahren 1854 und 1889 vor, wobei heute im allgemeinen die Spätfassung als das “Opus 8” von Brahms gilt.
Die Art und Weise, in der der 53jährige Brahms sein eigenes Frühwerk durch radikale Eingriffe veränderte, gehört zu den wenigen Fällen schrankenlos offener Selbstkritik eines großen Künstlers. “Im ganzen ist das neue H-dur-Trio ein unvergleichliches Zeugnis für seine künstlerische Offenherzigkeit und Ehrlichkeit, mit der er nicht nur bekennt, sondern uns geraden Weges zeigt, was er in seiner Jugend nicht recht gemacht hat,” schrieb der Brahms-Freund Eusebius Mandyczewski, Bibliothekar der Musikfreunde in Wien.
Brahms vollendete das Trio in der Urfassung im Januar 1854, drei Monate nach seiner ersten Begegnung mit Robert Schumann in Düsseldorf und unter den Auspizien der Künstlerfreundschaft mit seinem Mentor. Schumann war es, der den 20jährigen zur Herausgabe seiner ersten zehn Opera drängte, darunter das Opus 8 als erstes publiziertes Kammermusikwerk. (Eine a-Moll-Violinsonate, ein h-Moll-Streichquartett und eine d-Moll-Fantasie für Klaviertrio gab Brahms damals nicht zur Publikation frei.) In späteren Jahren wurde Brahms seiner “geschwätzigen” Frühwerke rasch überdrüssig, konnte  sich jedoch nur im Falle des Opus 8 zu einer Revision entschließen. Diese nahm er 1889 vor, nachdem er in der Aufführungspraxis bereits früher auf Kürzungen des allzu umständlichen Jugendwerkes bestanden hatte.

Mit dem B-DUR-Klaviertrio, op. 99, betreten wir den Kreis der letzten und reifsten Werke von Schubert, die so inkommensurabel sind, dass jedes Schreiben über sie schwerfällt. Schon für Robert Schumann gingen die beiden späten Klaviertrios von Schubert wie eine zürnende Himmelserscheinung” über das damalige “Musiktreiben hinweg”. Die seit Beethovens “Erzherzog”- und “Geistertrio” in Lethargie versunkene Gattung wurde urplötzlich wieder auf die Höhe klassischer Meisterschaft emporgehoben, wobei Schumann die beiden Werke auch in ihrem Ausdrucksgehalt als Schuberts “Eigenthümlichstes” empfand. Die beiden Aspekte durchdringen sich im B-Dur-Trio: einerseits der hohe formale Anspruch einer Art Monumental-Klassik, andererseits das tief bewegende Bekenntnis zur lyrischen Gefühlssprache der Romantik. Der Kopfsatz greift die riesigen Dimensionen des “Erzherzog”-Trios von Beethoven auf und entfaltet im marschartigen Hauptthema durchaus heroischen Duktus, der aber schon in dessen Wiederholung einem geheimnisvollen lyrischen Klangzauber weicht.
Das vom Cello angestimmte zweite Thema ist eine typische, in sich kreisende Schubert-Melodie, die in der Durchführung nach Moll gewendet und dem heroischen Marschcharakter angenähert wird. Der blockartige Wechsel der beiden Themencharaktere gipfelt in der Coda, die das Hauptthema über bstei-genden Bässen zu einer dramatischen Klimax führt, dann aber im dreifachen Forte unversehens abbricht, um einer flehenden Geste und einem Klangspiel Platz zu machen. Gegensätze wie diese, die unaufgelöst im Raum stehen, prägen auch die folgenden Teile. Das Andante ist dem Et Incarnatus der wenig später komponierten Es-Dur-Messe verwandt, denn es ist ein Kanon, dessen einfaches, barcarolehaftes Thema vom Cello an die Violine und dann ans Klavier weitergereicht wird. Im scheinbar eitlosen Dahinströmen des Themas wechselt mehrmals spektakulär die Tonart; in den Klang schleichen sich idealisierte Glockenklänge ein, wie man sie von Schuberts Liedern her kennt. Ein stark modulierender Mittelteil in Moll beschleu-nigt die Bewegung, die dennoch ihren wellenartigen Charakter beibehält. Der ganze Satz ist innerlich Schuberts Wasser- und Stromliedern verwandt. Das Scherzo zieht aus seinem nonchalanten Anfang überraschend bissige Konsequen-zen und ist einer von Schuberts intrikatesten Scherzosätzen, allerdings mit einem sehr einfachen Trio in Es. Das Finale sprengt, wie beim späten Schubert üblich, die Rondoform allein schon durch seine Dimensionen. Doch die Wiederkehr des Rondothemas bleibt für den Satz bestimmend. Ansonsten faszinieren hier vor allem die wechselnden Rhythmen (punktiert. Triolen, legato-Sechzehntel) und die Klangfarben, die von zart verschwebenden Klängen bis zu massiven Fortestellen ein ungewöhnlich großes Spektrum abdecken.
(beide Text entnommen aus:  Online-Kammermusikführer der Villa Musica, Rheinland Pfalz)



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