Mehrgenerationenhaus

Das Mehrgenerationenhaus Sassnitz des Grundtvighaus e.V.

Das aktuelle Projekt – MGH II

Der Grundtvighaus Verein hat sich in einem ausführlichen Antragsverfahren im Aktionsprogramm II der Mehrgenerationenhäuser beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beworben.

Unter einem Mehrgenerationenhaus dieses Aktionsprogramms ist kein Wohnprojekt zu verstehen, sondern ein offener Tagestreff, in dem sich alle Generationen mit Selbstverständnis begegnen, voneinander lernen, sich gegenseitig helfen, Wissen vermitteln oder sich Wissen vermitteln lassen, das Leben in der Kommune tolerant und integrativ entwickeln und gestalten.

Mit diesem Aktionsprogramm wollen die Förderer das bürgerschaftliche Engagement unterstützen, welches sich den gegenwärtigen und künftigen Anforderungen in unserer Gesellschaft stellt.

Das Aktionsprogramm wird vom Europäischen Sozialfonds kofinanziert. Eine weitere Bedingung für die Teilnahme war und ist die Beteiligung der Stadt mit 10 TEUR pro Jahr.

Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II fördert vier Schwerpunkte sowohl in städtischen Wohnquartieren als auch im ländlichen Räumen.

  1. Alter und Pflege

  2. Bildung und Integration

  3. Haushaltsnahem Dienstleistungen

  4. Entwicklung des freiwilligen Engagements

Dabei stehen beschäftigungs- und integrationsfördernde Aspekte im Fokus. Die Mehrgenerationenhäuser bieten niedrigschwellige Angebote für Menschen aller Altersgruppen, z.B. beim Übergang von der Schule in den Beruf oder beim beruflichen (Wieder-)Einstieg. Durch das Angebot und die Vermittlung von haushaltsnahen Dienstleistungen wird die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie von Familie und Pflege unterstützt. Um die vielfältigen arbeitsmarktrelevanten Aktivitäten der Mehrgenerationenhäuser auch strukturell zu fördern, werden diese im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der Bundesagentur für Arbeit begleitet.

Im Antragsverfahren war darzulegen, wie wir in unserer Kommune die vier Projektschwerpunkte umsetzen wollen.

Zu 1.   Alter und Pflege

Bereits seit dem Vorgänger-Projekt MGH I widmen wir uns dem Thema Demenz und dabei insbesondere der Unterstützung pflegender Angehöriger.

Dabei konnten wir mit viel Ausdauer und Geduld eine erfolgreiche Entwicklung einleiten. Es gibt inzwischen eine Selbsthilfegruppe pflegender Angehöriger, welche unsere Unterstützung in vielfacher Hinsicht erhält.

Der Grundtvighaus e.V. bewarb sich um ein von der Robert-Bosch-Stiftung gefördertes und vom Verein „Aktion Demenz“ ausgeschriebenes Projekt mit dem Titel „ Menschen mit Demenz in der Kommune“.

Dafür war die Zustimmung der Stadt Sassnitz erforderlich. Diese wurde gern von den politischen Gremien und vom Bürgermeister erteilt. Es passt sehr gut zum Prädikat  „Seniorenfreundliche Stadt“ mit welchem Sassnitz ausgezeichnet wurde.

Unser Projektantrag wurde befürwortet und im Zeitraum März 2013 bis März 2014 durchgeführt.

Projektleiterin ist Marina Funke. Sie hat dieses Thema seit Beginn organisiert und begleitet.

-> besondere Projektbeschreibung Bosch-Stiftung zum Thema Demenz

Zu 2.   Bildung und Integration

-          Unsere Bildungsangebote bestehen gegenwärtig aus Kursen und kultureller Bildungsarbeit:

Fremdsprachen Kurse in Englisch und Schwedisch, IT-Kurse für die ältere Generation. Die Kurse werden im freiwilligen, ehrenamtlichen Einsatz geleistet.

So auch Schülerhilfe, welche von fünf pensionierten Lehrerinnen realisiert wird.

Es finden regelmäßig Buchlesungen und Konzerte statt.

-          Unter Integration wird das Zusammenleben, das Zusammenfügen der einheimischen Bevölkerung mit Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund verstanden.

Der Anteil dieser Menschen ist gegenwärtig noch sehr gering und es gibt seit vielen Jahrzehnten keinerlei Erfahrungen im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen.

Im Zusammenhang mit den aktuellen dezentralen Zuweisungen von Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern hat das MGH gemeinsam mit der Ev. Kirchgemeinde St. Johannis und Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Sassnitz ein Bürgerforum ins Leben gerufen. Diese Plattform steht für die Begleitung des Integrationsprozesses. Es werden Themen besetztet, welche über die Bereitstellungen des formalen Asylrechts hinaus gehen. Besonders sei hier die Vermittlung der deutschen Sprache genannt.

In diesem Thema ist viel Arbeit zu leisten, weil in naher Zukunft mit Zuzügen zu rechnen ist.

Welche Schwerpunkte sehen wir

Förderung des „Interkulturellen Dialogs“

Sensibilisierung für das Thema Integration/Migration, Entwicklung neuer Kooperationsformen mit allen gesellschaftlichen Akteuren in der Stadt

Welche Entwicklung ist für uns denkbar – Ideen und Aktivitäten in anderen Regionen suchen, z.B.:

Entwicklung eines Netzwerkes von Akteuren für Migrations- und Integrationsarbeit

Kommunikation und Information aller Netzwerkpartner, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit

Beteiligung von Migranten/-innen und deren Selbstorganisationen an der Netzwerkarbeit

Regelmäßige Information über Fördermöglichkeiten, sowie Bereitstellung eigener Ressourcen für gemeinsame Aktivitäten, Weiterbildungen

Initiierung, Förderung und Durchführung von begleitenden Gruppenangeboten

Lobbyarbeit und gemeinsame Interessenvertretung gegenüber Politik, Verwaltung und gesellschaftlichen Akteuren

Zu 3.   Haushaltsnahe Dienstleistungen

Das Mehrgenerationenhaus soll eine Drehscheibe sein, wo haushaltsnahe Dienstleistungen angeboten und nachgefragt werden können. In unserem Hause ist von Montag bis Freitag ein sehr preiswerter Mittagstisch eingerichtet. Da treffen sich die Einsamen und Alten, Berufstätige und Gewerbetreibende und nehmen dieses Angebot gern an.

Hilfen im Haushalt, Einkaufsdienste, Hilfen im Garten usw. sind denkbar.

Dieser „Markt“ hat noch Entwicklungspotenziale.

Zu 4.   Entwicklung des freiwilligen Engagements

Die Einwohner unserer Stadt sind eingeladen, unsere Angebote zu nutzen. Wir freuen uns, wenn jemand Lust hat hier mitzumachen. Besonders stolz sind wir auf das freiwillige Engagement unserer KursleiterInnen und der Lehrerinnen der Schülerhilfe.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gezielt für einen bestimmten Termin angesprochene Mitmenschen auch gern bereit sind zu helfen, jedoch nicht permanent.

Eine Gruppe junger Leute betätigt sich in unserem Hause und organisiert sich selbst und eigenverantwortlich. Im Bereich Alter und Pflege gibt es viele Aktive.

Historie des Programmes Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser 

Bekanntlich haben wir im Aktionsprogramm I bereits eine fünfjährige erfolgreiche Arbeit vom Oktober 2006 bis September 2011 geleistet.

Der Grundtvighaus e.V. bewarb sich und wurde eines der ersten 59 Häuser unter 1.000 Bewerbern in Deutschland im Oktober 2006.  Danach folgte eine fünfjährige erfolgreiche Arbeit bis zum September 2011.

In dieser Zeit ist es gelungen ein soziokulturelles Zentrum in der Stadt Sassnitz zu entwickeln.

In diesem Programm entstand ein bundesweites Netz von 500 Mehrgenerationenhäusern als Begegnungsorte für Menschen aller Generationen. Die MGH unterstützen mit ihren Angeboten insbesondere die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Pflege und tragen damit zur Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit und zur Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung bei. Sie verstehen sich als Informations- und Dienstleistungsdrehscheiben und schaffen einen Markt für familienunterstützende und generationenübergreifende Dienstleistungen in ihrer Region.

Dieses Netzwerk zeichnet sich bis heute dadurch aus, das alle auf Augenhöhe miteinander umgehen.

Es gibt dabei kein Ost-West-Problem. Befruchtend sich die Fachtage und Workshops, auf denen die Aktiven ihre Erfahrungen austauschen.

Vom Ende des MGH I im September 2011 bis zum Dezember 2011 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern die Finanzierungslücke überbrückt und mit 10 TEUR die Förderung übernommen. So konnte lückenlos ab 2012 der Einstieg in das Aktionsprogramm II erfolgen.

Jörg Piecha
Projekt-Koordinator